Berlin-Reise: Reisetagebuch von Vincent

Tag 1 - Willkommen in Berlin

„ Diese Stadt ist der Boss
diese Stadt ist das Zentrum
diese Stadt ist alle 24 Stunden auf Sendung“ (Prinz Pi – Willkommen in Berlin)

Landung am Flughafen Berlin-Tegel.
War das Wetter in Wien noch angenehm sonnig und mild, gibt sich Berlin nicht all zu gastfreundlich. Schneeregen und eisige Temperaturen heißen uns bei der Ankunft willkommen.
Nach einer holprigen Busfahrt nehmen wir wie einst Udo Lindenberg den „Sonderzug nach Pankow“, steigen jedoch schon am Senefelderplatz wieder aus. Draußen bläst uns „der frische Wind von Berlin entgegen“, doch müssen wir zum Glück nur wenige Schritte bis zum Meininger Hostel gehen und können uns dort erst mal aufwärmen und ein bisschen ausruhen.
Trotz der bitteren Kälte überkommt einen sofort das Gefühl „(Ost-)Berlin, Wahnsinn“ (Lilli Berlin – Ost-Berlin, Wahnsinn). Ein Gefühl, das einen auf Schritt und Tritt verfolgt, ganz egal, wo man hinsieht.
Nachdem wir uns in unseren etwas zu eng geratenen Zimmern eingerichtet haben, gehen wir voller Tatendrang auf Erkundung der näheren Umgebung rund ums Hostel.
Beim Chinesen gleich um die Ecke wird um günstige 3,50€ der erste Hunger gestillt, danach geht’s die Schönhauser Allee rauf und runter. Sofort stechen die vielen verschiedenen Lokale und Restaurants ins Auge, welche Berlin den internationalen Charakter einer Weltstadt verleihen, und auch die für Berlin typischen Imbiss- und Dönerbuden dürfen nicht fehlen.

Im Wohnzimmer von Blau und Weiß, oder doch Rot und Gelb?

„ Blau und weiß sind unsere Farben
Die Farben von Hertha BSC“ (Blau und Weiß – Hertha BSC Song)

Während die eine Hälfte unserer Klasse es vorzieht im warmen Hostel zu bleiben, macht sich die andere Hälfte auf in die kalte Berliner Nacht, um sich das Uefa-Cup Spiel zwischen Hertha BSC und Galatasaray Istanbul anzusehen.
Bereits in der U-Bahn wird klar, wer heute im Berliner Olympiastadion den Ton angeben wird. „Gala“-Fans, wohin man blickt, nur vereinzelt sticht ein blau weißer Hertheraner aus der Masse heraus. Vorm Stadion ein ähnliches Bild: feiernde Türken sorgen vorm beeindruckenden Olympiastadion für gute Stimmung.
Schnell noch genehmigen wir uns einen alkoholfreien Glühwein, um der bitteren Kälte etwas entgegenzusetzen und dann kann es losgehen.
Das Stadion ist voll, die Farben Rot und Gelb dominieren. Von einem Heimspiel kann man hier heute nicht wirklich sprechen. Doch auch die Herthaanhänger verstehen es für Stimmung zu sorgen und halten gut dagegen. Am Ende jedoch vergebens. Das Team aus Istanbul gewinnt mit 0:1.

Wieder Zuhause tauen wir langsam auf und fallen erschöpft ins Bett. Ein ereignisreicher erster Tag geht zu Ende und die Ansage von Seed, dass die Stadt „coolnessmäßig aus allen Nähten platzt“ (Seed – Dickes B) hat sich bewahrheitet.

Tag 2 – Big in Berlin

„ Wir wissen nicht mehr, wo wir sind, und steigen lieber aus“ (Die Sterne – Big in Berlin)

Etwas verschlafen begeben wir uns zum Frühstückstisch, wo das übliche Hotelfrühstücksbuffet auf uns wartet. Brötchen, Wurst, Käse, Kaffee oder Orangensaft. Keine außergewöhnliche Auswahl, doch reicht es völlig um gut in den Tag zu starten und noch Kraft zu tanken. Diese wird auch bitter von Nöten sein, da die für heute geplante Stadttour bestimmt reichlich an die Substanz gehen wird.
Schon am ersten Tag wurde allen klar, dass die Weitläufigkeit Berlins mit derer von Wien in keiner Weise zu vergleichen ist, weshalb unsere Besichtigungstour bestimmt etwas länger dauern sollte.
„ Strassen voller Menschen alles ist genau wie ich es immer dachte
Tausend Jahre bräuchte ich, um mir das alles anzusehen“ (Paula – Die Stadt)

Doch das ist uns egal, und wir ziehen voll Interesse los, um uns über die Geschichte Berlins zu informieren und die schönsten Plätze der Stadt ausfindig zu machen.
In Wien bereits arbeiteten wir Referate aus, die wir dann an passendem Ort und an passender Stelle der Klasse vortragen. Die Themen reichen von der Architektur über die Stadtentwicklung bis zu berühmten Töchtern und Söhnen der Stadt. Auch der geschichtliche Hintergrund darf nicht fehlen und so bekommen wir unter anderem viel über den Expressionismus, die goldenen 20er Jahre oder Berlin in der Nachkriegszeit bis zum Mauerfall zu hören.
Trotz der weiten Wege und der Kälte sind alle mit Freude bei der Sache. Wir sind wie elektrisiert von dieser Stadt, in der man sich nicht wirklich als ein Tourist fühlt, sondern viel mehr als ein Teil von ihr. Mit „Wir sind unterwegs und doch irgendwie zuhaus“ drücken es „Die Sterne“ in ihrem Lied „Big in Berlin“ wohl am besten aus.
Pause wird am Kurfürstendamm gemacht, der bekanntesten Einkaufsstraße Berlins. Hier bekommen wir hautnah mit, was man unter „Berliner Tempo, Betrieb und Tamtam“ (Hildegard Knef – Heimweh nach dem Kurfürstendamm) versteht und wissen nun, dass die Mariahilferstraße rauf und runter Shoppen, nur halb so stressig ist wie einmal durch die größte Shoppingmeile Berlins zu ziehen.
Nach unserer “Pause“ machen wir weiter mit unserer Tour. Erst am frühen Abend sitzen wir wieder in der U-Bahn Richtung Pankow.

Nachtleben I

„ Weiß noch nicht genau wohin
doch ich weiß hundert pro
der Wahnsinn kommt hier sowieso“ (Udo Lindenberg – Der Frische Wind von Berlin)

Alle gemeinsam gehen wir Abendessen in die „Kleine Markthalle“ in Kreuzberg. Ein uriges Berliner Lokal mit schlichter Hausmannskost und gutem Bier. Die lange Wartezeit vertreibt man sich mit netten Gesprächen über das Erlebte – zu bereden gibt es genug. Genau zum richtigen Zeitpunkt, als der Hunger den Gipfel erreicht hat, bringt die gütige Kellnerin unser Essen und wir lassen uns Schweinsstelze und Brathähnchen schmecken.
Nachdem wir alle zufrieden, heißt, alle hungrigen Mäuler gestopft sind, begeben wir uns kurz zurück ins Hostel um uns fertig für das Berliner Nachtleben zu machen.
Da unter uns keine Einigkeit herrscht, wie unser Abendprogramm auszusehen hat, teilen wir uns in mehrere Gruppen. Doch ganz egal, wo wir hinkommen, überall wird uns eine ungemeine Freundlichkeit entgegengebracht und es herrscht immer eine gute, ausgelassene Stimmung.
Gerade bei Nacht zeigt Berlin sein weltoffenes Gesicht. In jedem Lokal feiern die Menschen, ganz egal, wie alt sie sind oder welcher Nationalität sie angehören.
„ Man spricht türkisch plus arabisch und denkt vielleicht auf Polnisch“, meint Rapper „Sentino“ über die Menschen seiner Heimatstadt.
Pünktlich um ein Uhr finden wir uns alle wieder im Hostel ein, schließlich gilt es morgen wieder früh aufzustehen. Denn du „Veränderst täglich dein Gesicht” (Rainhard Fendrich – Berlin) Berlin, also gibt es auch morgen bestimmt viel zu entdecken.


Tag 3 – So Geil Berlin

„ Du siehst geil aus, Berlin
Du klingst so geil, Berlin
Du riechst so geil, Berlin
Du küsst so geil, Berlin.“ (Roger Cicero – So Geil Berlin)

Wieder mal heißt es früh aufstehen, und auch wenn es noch etwas härter war als am Vortag, meckert niemand.
Das Frühstück sorgt wieder für einen zufriedenstellend gefüllten Magen und pünktlich um 10Uhr heißt es Abmarsch zum Berliner Dom. Nach einer kurzen Besichtigung des imposanten Prunkbaus ziehen wir weiter Richtung Brandenburger Tor. Dieses erscheint uns nicht ganz so imposant, viele haben es sich größer vorgestellt. Wir erhaschen noch einen kurzen Blick auf den Reichstag und die Siegessäule und gehen weiter zum Holocaust-Denkmal. Beeindruckt von der Kraft, die es ausstrahlt, verbringen wir dort einige Zeit und ziehen durch das wie ein Labyrinth anmutende Mahnmal.
Danach sind wir fürs Erste fertig und machen uns aus, dass wir uns erst am späteren Abend wieder treffen, um das Mauermuseum zu besuchen. Die Mittagspause verbringen manche mit Mittagessen und Einkaufen am Kurfürstendamm, andere holen den Schlaf nach, der am Vortag zu kurz gekommen ist.
Die Sonne ist bereits seit einer Stunde erloschen und wir treffen uns, pünktlich wie immer, vor dem Mauermuseum.
Ü ber eine Stunde verbringen wir in dem von außen so klein wirkenden Museum. Drinnen jedoch erwarten uns jede Menge interessante Informationen über die Zeit, als noch die Mauer Berlin teilte. Die vielen Ausstellungsstücke von damals und manche Filmdokumente sorgen dafür, dass es nicht zu trocken wird und runden das Ausstellungsvergnügen ab.

Nachtleben II

„ Eine Stadt, die niemals schläft
die völlig anders tickt
mit verschiedenen Kulturen
und die Leute ausgeflippt“ (Basta – Berlin)

Die letzte Nacht in Berlin gilt es auch gebührend ausklingen zu lassen, heißt, zusammen als Klasse. Es gelingt uns uns auf ein Lokal zu einigen, welches allen zusagt und wir machen uns auf den Weg. Dem Rat von Marius Müller-Westernhagen „nach drei bis vier Tequila ist die Paranoia futsch“ (Marius Müller-Westernhagen – Berlin) leisten wir keine Folge, und haben trotzdem jede Menge Spaß. Es wird geredet, getanzt, gelacht und neue Bekanntschaft mit einigen BerlinerInnen geschlossen.
„ Glaub mir, dass Gott das echte Berlin nur bei Nacht sieht“, meint Rapper
„ B-Tight“ in einem seiner Songs. Recht hat er, denn, wie wunderbar Berlin am Tag auch sein mag, das nächtliche Berlin schafft es das zu toppen. Die Leute finden zusammen und ständig trifft man auf neue interessante Menschen. Man fühlt sich wie in einem Dorf, in dem jeder jeden kennt, nur eben in einem wesentlich größeren Ausmaß.
Am Ende steht ein sehr erfolgreicher, letzter Abend in Berlin und wohl auch ein sehr erfolgreicher letzter Abend deshalb, weil wir ihn alle zusammen als Klasse vor der Matura verbracht haben.


Tag 4 – Abreise

“ Auf Wiedersehen Berliner Star
You rock like a bastard, bastard
Everything we did was wunderbar” (Robbie Williams – Berliner Star)

Gegen 10 Uhr versammeln wir uns zum letzten gemeinsamen Frühstück in Berlin. Wehmut macht sich breit, viele würden den Nikolo lieber in der deutschen Bundeshauptstadt feiern. Manch einer denkt vielleicht daran es „Marlene Dietrich“ gleich zu machen und einen Koffer in Berlin zu lassen.
„ Der bleibt auch dort, und das hat seinen Sinn.
Auf diese Weise lohnt sich die Reise,
Denn wenn ich Sehnsucht hab’, dann fahr’ ich wieder hin.“ (Marlene Dietrich - Ich hab´ noch einen Koffer in Berlin)

Wir trösten uns mit dem Gedanken, dass wir anscheinend nicht die ersten sind, die eine schwere Rückreise antreten. Die letzten zwei Stunden verbringen wir mit Kartenspielen und Zeitungslesen. Dann brechen wir auf. Auf dem Weg zum Flughafen werfen wir mehr als einen Blick zurück, die meisten sind fest entschlossen wieder zu kommen. In Wien angekommen, überwiegt aber doch wieder die Freude zuhause zu sein. Denn wie heißt es so schön:

Wien, Wien, nur du allein
Sollst stets die Stadt meiner Träume sein!
Dort, wo ich glücklich und selig bin,
Ist Wien, ist Wien, mein Wien ! (Rudolf Sieczynski – Wien du Stadt meiner Träume)

Vincent Janele, 8c

 
     
BERLIN
         
 

 


 


[Berlin]
[mehr Fotos 1]
[mehr Fotos 2]
[Reisetagebuch Vincent]