| Fáilte go hÉireann – Willkommen in Irland |
| Am 11. März 2013 taumelte eine Schülergruppe durch die Glastüren des Dubliner Flughafens. Eine Menschentraube aus 23 Personen, die sich scherzend, mit schweren Koffern und verschwitzten Gesichtern in Richtung Busstation bewegte. Rucksäcke auf den gebeugten Schultern, die Haare zerzaust und die Kleidung vom langen Flug zerknittert, aber alles in allem bestens gelaunt. Das waren wir – die 7B –, die sogar der eisigen irischen Kälte trotzte und neugierig durch die angeschlagenen Fensterscheiben des Reisebusses fotografierte. Müden, aber beherzten Schrittes sprangen wir vor der Sprachschule aus dem mit quietschenden Reifen bremsenden Bus und wurden sogleich von einer Dame empfangen, die aussah wie Prof. McGonagall und uns so herzlich begrüßte wie McGonagalls das eben so an sich haben. Sie war auch diejenige, die unsere Auswahlzeremonie leitete, bei der aber leider kein Hut, sondern ihr Zettel uns in die diversen „Häuser“ einteilte. Nach einer Nacht voll komatösem Schlaf und dem Erforschen unseres neuen Schulwegs in der Früh versammelten wir uns schließlich alle um 9:00 in der Sprachschule, um uns dem Einstufungstest zu stellen. Dieser erwies sich zwar als weniger einfach als gedacht, hatte aber keine sonderlich große Auswirkung auf unseren Sprachkurs, denn wir wurden in zwei Gruppen eingeteilt, die beinahe denselben Level hatten und sich kaum voneinander unterschieden. Séan lernten wir gleich am ersten Tag kennen und Aislinn, unsere zweite Lehrerin, am Tag darauf. Séan, mit seiner lieben Art und den anschaulichen Beispielen zu allen Themen, gewannen wir in diesen zwei Wochen besonders lieb. Der Tagesablauf war an vielen Tagen gleich: Unterricht von 9:00 bis 13:00, Mittagspause und dann Nachmittagsprogramm von 14:00 bis 18:00. Die Ausflüge mit unseren Professorinnen waren interessant, spannend und einzigartig. Wir besuchten zum Beispiel das ehemalige Gefängnis „Kilmainham Jail“, in dem man – dank mangelnder Renovierung – noch den Geist der Schreckensfestung (und die fehlenden Heizkörper) spüren konnte, Newgrange, eine mystische Kultstätte aus der Steinzeit, umringt von grünen Wiesen und Schafen mit rosa Zeichen am Rücken und das Guinness Storehouse. Außerdem ließen wir uns eine Klippenwanderung entlang der Howth Cliffs und einen Ganztagsausflug in die wunderschöne irische Natur nicht entgehen, deren Faszination sogar unsere „harten Jungs“ in ihren Bann zog. Highlight war natürlich die St. Patrick's Day Parade in Dublin, obwohl es regnete und das Spektakel sich als nicht so berauschend entpuppte – St. Patrick's Day ist und bleibt St. Patrick's Day. Erstaunt hat uns nur, dass so wenige betrunkene Partygäste dabei waren – aber das muss wahrscheinlich an der frühen Uhrzeit gelegen sein. Neben den allgemeinen und offiziellen Aktivitäten frönten wir natürlich alle einem speziellen Hobby – dem Einkaufen. Die Meisten von uns verbrachten ihre freien Nachmittage damit, in Dublin herumzustreunen und alles Mögliche zusammenzukaufen, das uns gefiel. Dummerweise gab es in vielen Geschäfte nur Papiersäcke, sodass unsere Shoppingeskapaden mit nassen Haaren und gerissenen Tüten endeten – doch das störte uns nicht im Geringsten! Abgesehen von typischen Souvenirs und Mitbringseln, stürmten wir vor allem die unzähligen „Penny's“ und verließen sie wieder, beladen mit XXL-Tüten, die immer noch überquollen. Ein besonders offensichtliches Phänomen war der Drang, dicke Pullis und Socken zu hamstern, da wir österreichischen Großstadtpflänzchen eisigen Wind mit Schneeregen eher nicht gewöhnt sind – zumindest nicht im März. Die Iren schalten bei solchen Unwettern allerdings nicht einmal in der Nacht die Heizung ein. Diese interessante Angewohnheit hatten auch unsere Gasteltern, die oftmals ohne Mütze oder Schal vors Haus gingen. Ebenso irische Schulmädchen, die weder Hosen noch Strumpfhosen unter ihren Röcken trugen! Es ist wirklich ein Wunder, dass die Iren nicht ständig krank sind! Schule in Bray war natürlich anders als Schule in Wien. Oral Excercises und Listenings dominierten den Unterricht, während wir Themen wie zum Beispiel Musik, Literatur, Geschichte oder die Sagenwelt bearbeiteten. Es gab auch eher selten Einzelaufgaben, vor allem Aslinn teilte uns fast immer in Gruppen ein, um Ergebnisse zu erarbeiten um sie dann vor den anderen zu präsentieren. Das endete oft damit, dass furchtbar lustige Geschichten erzählt wurden und alle vor Lachen auf den Tischen lagen. Am Abend vor unserer Abreise absolvierten wir noch einen „Irish-Dance-Workshop“. Zwei Profis auf diesem Gebiet zeigten uns vier verschiedene Tänze, die wir nach anfänglichem Scheitern dann doch noch bravourös meisterten. Dieses Projekt war auch für unsere Professorinnen lustig, die schließlich fröhlich mit uns mitschunkelten und sich manchmal wohl graziler anstellten als wir Schüler :) Zwei Wochen ohne unangenehme Zwischenfälle sind vom Schicksal vielleicht doch ein bisschen zu viel verlangt, aber der kurzzeitige Super-GAU wartete netterweise auf unseren Abreisetag. Aufgrund der starken Unwetter kam es zu Überschwemmungen in weiten Teilen Irlands, auch Bray war davon betroffen, und so steckten wir sage und schreibe zwei Stunden im Ortskern fest und schafften es nicht einmal auf die Autobahn. Anscheinend hatte Petrus aber ein Einsehen und der Verkehr setzte sich gegen 9:45 langsam in Bewegung. Wir kamen also um 10:15 am Flughafen an – unser Flieger ging um 10:50! Im Eiltempo schleusten uns die Sicherheitskräfte durch Pass- und Gepäckskontrollen bis zum Gate, sodass wir schließlich doch noch unseren Flug nach Wien erwischten und wohlbehalten zu Mittag in Schwechat landeten. Alles in allem kann über die Sprachreise wohl nur eines gesagt werden: „It was super GRAND!“
|
|