"Angst essen Seele auf"

 

Nachlese zum Workshop „Angst essen Seele auf“
eine Veranstaltung der Schulgemeinschaft des borg 3 am 29.9.2008



Statements der Fachfrauen:
• Dr. Eva Riz-Bohdal, Schulärztin am borg 3
• Dr. Beatrix Haag, Schulpsychologin des Stadtschulrates
• Dr. Barbara Burian-Langegger, Leiterin der „Child Guidance Clinic“
Anschließend Diskussion im Plenum
Danke an Dr. Peter Danler für die Organisation des Büchertisches.

Fr. Dr. Eva Riz-Bohdal
berichtet von ihren Erfahrungen als Schulärztin. Sie hat auf das Thema „Angst“
aufmerksam gemacht. Immer häufiger beobachtet sie .....
• Panikattacken,
• Übelkeit und
• Schlafstörungen bei Schülern und Schülerinnen.

Woran erkennen wir Panikattacken?
Als Panikattacke wird das plötzliche Auftreten einer körperlichen und psychischen
Alarmreaktion bezeichnet. Meist dauern die Symptome nur kurz an, manchmal aber bis
zu mehreren Stunden. Den Betroffenen ist häufig nicht bewusst, dass es sich um eine
Panikreaktion handelt.
Die wahrgenommenen Körperreaktionen werden als Gefahr oder Krankheit
(fehl)interpretiert, man wartet schon regelrecht darauf, dass sie wiederkommen und
gerät damit in einen Teufelskreis.
Rauschmittel (Cannabis, LSD, Kampfer etc.) können Panikattacken auslösen.

Typische Symptome:
• Atemnot, Erstickungsgefühl, Brustschmerz
• Kribbeln in Gesicht und Händen
• Übelkeit, Herzrasen
• Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen
• Hyperventilation (übertriebenes, zu rasches Atmen)
• Schweißausbrüche, Zittern, Schwindel
• Magenprobleme
• Angstgedanken (ich werde verrückt..., Ich sterbe...)
• Entfremdungsgefühl (wo bin ich?, ich stehe neben mir...,bin nicht ich selbst.....)

Häufig sind Panikattacken mit Phobien gekoppelt, z.B.
• der Furcht vor sozialen Situationen, bei denen man im Zentrum der
Aufmerksamkeit zu stehen,
• Furcht, sich peinlich zu verhalten, sich zu blamieren,
• Angst davor, die Wohnung zu verlassen, in die U-Bahn einzusteigen, ....

Soforthilfe
• Durchatmen, von 10 runterzählen
• Wasser trinken, eine Kleinigkeit essen
• die Körperreaktionen wahrnehmen und beschreiben, jemandem erzählen, was
gerade los war oder aufschreiben, im Sinne von „AHA, mir ist jetzt heiß, ich
schwitze und fühle mich schwindelig.....Wer/was kann mich unterstützen?“

TherapeutIn oder Arzt aufsuchen!!!

Infos finden Sie z.B. unter www.gesund.co.at


Fr. Dr. Beatrix Haag
ist selbst Mutter von 2 erwachsenen Kindern und als Schulpsychologin beschäftigt sie
unter anderem die Frage.........
„ Was macht Angst?“
• Überforderung,
• mangelnde Vorbereitung,
• Unsicherheiten,
• Beurteilung durch ProfessorInnnen,
• Bewertungen durch MitschülerInnen,
• Erwartungen – eigene, die der Eltern, die der ProfessorInnen,....
• Einseitige Sichtweisen zum Thema Erfolg /Misserfolg
• In der Pubertät und Adoleszenz sind die Voraussetzungen für Angst besonders
günstig (siehe „Adoleszenzkrise“)

Sie empfiehlt,
• Druck zu vermeiden,
• Bewertungen zu hinterfragen,
• andere Sichtweisen einzunehmen,
• Leistung nicht zu hoch zu bewerten und
• mit den Jugendlichen zu kommunizieren, in Kontakt zu bleiben.
• „Was zählt Leistung im Vergleich zur Gesundheit?“
• „Jugendliche simulieren nicht, sie fühlen sich wirklich schlecht“

Wie herausfordernd das Kommunizieren mit den Jugendlichen häufig ist, zeigt uns
Fr. Dr. Barbara Burian-Langegger, Leiterin der „Child Guidance Clinic“, sie gibt
uns einen spannenden Abriss über die Adoleszenz und erinnert uns daran, dass vieles von
dem, was wir an unseren Kindern wahrnehmen, normal ist.

Die Adoleszenzkrise erstreckt sich über den Zeitraum von 10 bis 20 oder auch 23
Jahren. Sie beginnt mit der Pubertät und umfasst den Übergang vom Kind zum
Erwachsenen. Der/die adoleszente Jugendliche ist biologisch gesehen ein Erwachsene/r
aber emotional und sozial noch nicht. Es ist die Phase, in der Jugendliche ihre sexuelle
Identität entdecken, sich von Eltern ablösen, eigene soziale Umfelder aufbauen,
Grenzen entdecken, austesten, abstecken ............... und sich selbst neu definieren.
• die 1. Phase, die Prä-Adoleszenz ist die Pubertät, ca. 10-12 Jahre.
o Wir beobachten „Aufmüpfigkeit“ und einen ständigen Gegensatz zwischen
kindlichem und erwachsenem Verhalten. Die Jugendlichen entdecken ihre
Geschlechtlichkeit und entwickeln körperliche Reife.
• Es folgt die Früh-Adoleszenz, ca. 12-15 Jahre.
o Jugendliche wollen allein sein, beschäftigen sich mit sich und ihrem
Körper, leiden unter Akne, sind stundenlang im Bad. Sie haben extreme
Stimmungsschwankungen, neigen zu depressiven Verstimmungen. Der
Kindheits-Verlust, den sie erleben, löst berechtigterweise Trauer aus. Die
Herausforderung an Erwachsene (Eltern wie LehrerInnen) ist, diese
Schwankungen als Gegebenheit hinzunehmen und da zu sein.
o Gerade jetzt ist es wichtig, in Kommunikation zu bleiben, obwohl sie es uns
nicht leicht machen. Entweder sie reden nichts – vor allem wenn sie
gefragt werden - oder sie sprudeln ohne Vorwarnung los...und dann gilt es,
die Gelegenheit zu ergreifen.
o Jetzt geht´s darum, sie zu mögen!!!!!

• Die 3.Phase, das narzisstische Stadium ist der „Sturm & Drang“, sie dauert
meist bis 20 oder sogar bis 23 Jahre.
o Die Peer-group, sprich Freunde &-innen gewinnen an Bedeutung und lösen
uns Eltern sozusagen ab. Die Rebellion ist kein willkürlicher Rundumschlag
mehr, sondern „gezielte“ Ablösung. Je stärker wir bereit sind, zu
verhandeln, Unterschiede zu akzeptieren und auch unsere Sichtweisen zu
hinterfragen, desto größer ist die Chance, mit dem Jugendlichen wieder in
guten Kontakt zu kommen.
o Jugendliche gehen, um wieder zu kommen!

Die Adoleszenzkrise birgt aber auch Gefahren. Jugendliche können auf die emotionale
Instabilität, mit der sie konfrontiert sind, mit Essstörungen (vorwiegend Mädchen) oder
Depressionen und suizidalen Störungen (vorwiegend Burschen) reagieren. Dann brauchen
sie Unterstützung von ExpertInnen.


Kontaktmöglichkeiten für Jugendliche und/bzw. Eltern am borg 3
• Dr. Eva Riz-Bohdal, Schulärztin, ist 2 mal pro Woche an der Schule
• Dr. Beatrix Haag, Schulpsycholgin, ist 1 mal pro Monat an der Schule,
Terminvereinbarung bei Fr. Steinmetz möglich
• Mag. Ines Krencioch, Professorin und Beratungslehrerin, führt gerne ein
Erstgespräch und gibt Tipps, wohin man sich wenden kann.
• Hausarzt
• AKH Neuropsychiatrie des Kindes- & Jugendalters
• Familienberatungsstellen


Gabriele Seidl-Pass
Obfrau des Elternvereins, Moderatorin des Abends
Systemische Organisationsberaterin, Coach, Shiatsu-Praktikerin

 



 

 

     
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