Dimitré Dinev – ein
europäischer Autor – las am 30. 11. 2006 im Festsaal
des borg3
(Gemeinsames Projekt des Bilingualen Oberstufenrealgymnasiums Komensky,
Schützengasse 31 und des borg3)
Der 1968 in Bulgarien geborene Schriftsteller Dimitré Dinev
flüchtete 1990 nach Österreich.
„
Im tiefsten Winter schaffte er es gemeinsam mit einem Freund über
die österreichische Grenze, um im ersten gemütlichen
Wirtshaus, das auf dem Weg lag, an die Gendarmerie verraten zu
werden. Aber die Beamten waren damals noch nicht richtig geschult.
Der Personalausweis in kyrillischer Schrift lässt die Behauptung,
ein Flüchtling des Jugoslawienkriegs zu sein, glaubhaft erscheinen.
Nächste Station: das Flüchtlingslager Traiskirchen.
Hier lernt er den Hunger kennen, aber auch die Geschichten anderer
Immigranten. Die Neugier ist groß, der Erzählstoff wächst,
die Geschichten aus der alten Heimat werden mit den neuen Erfahrungen
verknüpft. Nicht simpel autobiografisch, sondern mit gestalterischer
Lust und Sinn für die aberwitzigen Wende- und Wechselfälle
des Lebens.
Er studierte Philosphie, Ethnologie und russische Philologie. Er
schreibt in bulgarischer, russischer und deutscher Sprache und
lebt in Wien. “
http://oe1.orf.at Text: Eva Schobel
Der Autor las „Lass uns Radio hören“ und „Ein
Licht über dem Kopf“ und stellte sich anschließend
den Fragen der SchülerInnen. Bei der Diskussion stellte er
klar, dass er weder als bulgarischer noch als österreichischer,
sondern als europäischer Autor gesehen werden will.
Die Fragen bezogen sich auch auf seine Flucht nach Österreich,
auf literarische Vorbilder (Gogol, Cechov, Dostojevkij, Joseph
Roth), auf Heimat und Fremde (Heimat ist dort, wo meine Freunde
leben), auf „Engelszungen“ und auf das „Schreiben
zwischen den Kulturen“.