Theaterworkshop 7.B
"Anders?"

ein Theaterprojekt der 7B zum Thema "Ausgrenzung-Vorurteile-Diskriminierung", ausgehend von der Teilnahme an dem Schulwettbewerb "Rechte haben macht den Unterschied" des "Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung", ausgehend weiters von der Debatte, die sich, von Frankreich kommend, rund um das Kopftuch(verbot) für Islamische Frauen entsponnen hat, ausgehend auch von der Installierung der "Antirassismus-Peergroup" an unserer Schule und nicht zuletzt ausgehend von dem Echo, das dieses Thema innerhalb der Klasse fand.

Der folgende Bericht beschreibt zunächst das Projektdesign, den eingesetzten Film „Blue eyed“ und schließt mit Kommentaren von SchülerInnen und LehrerInnen.

Projektdesign:
Vorbereitung: im Deutschunterricht sammeln SchülerInnen Beispiele für Leute, die ihnen auf der Straße als "anders" auffallen.
Am häufigsten genannt werden "männliche Juden", "moslemische Frauen", "Nonnen", "Punks", "Skins", "Obdachlose", "Sandler", "arme Leute".
In der Folge schreiben die SchülerInnen innere Monologe zu einer dieser Personen zum Thema:
„1. Was denke ich, wenn ich so eine Person auf der Straße/in der Straßenbahn sehe?
2. (Stell dir vor, du bist diese Person) Was denke ich, wie fühle ich mich in der Öffentlichkeit“
An zwei aufeinander folgenden Vormittagen (3./4.Mai 04) nähert sich die Klasse der Thematik auf unterschiedliche Art und Weise: eine Gruppe arbeitet theoretisch zum Begriff "Ausgrenzung" auf Basis des Films "Blue Eyed" , die zweite Gruppe erarbeitet mit Hilfe der beiden Theaterfachleuten Birte Brudermann und Bartek Kubiak Szenen , die das Thema "Diskriminierung" in unterschiedlichsten Zusammenhängen zum Inhalt haben (Straßenbahn, Arbeitsplatz, Stellenbewerbung, Führerscheinprüfung, Bundesheer).
Im Anschluss an den zweiten Projekttag erfolgt schließlich eine gegenseitige Präsentation der Ergebnisse beider Gruppen vor interessierten SchülerInnen.

Film: Blue Eyed
Autor Bertram Verhaag

Jane Elliott ist eine äußerst engagierte Kämpferin gegen Vorurteile, Ignoranz und Rassismus in der Gesellschaft. 1968 – nach der Ermordung von Martin Luther King jun. 1968 fragte sich die damals als Lehrerin an einer Schule im Mittelwesten der USA tätig, wie sie weißen Kindern jene Gefühle nahe bringen kann, die Menschen empfinden müssen, die aus rassistischen oder sonstigen vorurteilsgesteuerten Gründen in der Gesellschaft ausgegrenzt, marginalisiert und diskriminiert werden, andererseits Menschen zu zeigen, die diese Ausgrenzungen und Diskriminierungen bewusst hinnehmen oder sogar verstärken. Was sie damals mit ihren SchülerInnen begann, praktiziert sie heute mit Studenten, Lehrer und anderen Berufsgruppen. Dabei teilt sie in ihren Workshops die Menschen nach einem willkürlichen Merkmal in BLAUÄUGIGE und BRAUNÄUGIGE, wobei sie die BRAUNÄUGIGEN für besser und intelligenter erklärt. Sie stattet diese Gruppe mit Privilegien aus, die sie den BLAUÄUGIGEN – abqualifiziert als schlecht, minderwertig und dumm – nicht gewährt.

Viele Weiße erspüren hier zum ersten Mal das Gefühl, zu denen zu gehören, die nie gewinnen können, und so behandelt zu werden, wie die Gesellschaft Frauen behandelt, Farbige behandelt oder Menschen, die körperlich abweichend sind. Innerhalb von 15 Minuten schafft Jane Elliott einen Mikrokosmos unserer Gesellschaft mit allen Phänomenen und Gefühlen, die auch in der Realität aufscheinen. Ähnlich wie bei dem berühmt-berüchtigten Milgram-Experiment können sich selbst Teilnehmer, die voll über die "Spielregeln" informiert sind, nicht ihrer Rolle entziehen. Aus dem Spiel wird grausame Realität, die einige Teilnehmer in unvorhergesehene Gefühlstiefen stürzt.

Im Film werden die Beobachtungen im Workshop durch Statements von Elliott, in denen sie die Geschichte ihrer Technik skizziert, ergänzt. Filmaufnahmen von ihrem ersten Experiment und sehr kurze Interviews mit Teilnehmern an diesem Experiment sollen die Entstehung der Technik und ihre Wirkung illustrieren.

Der Film macht deutlich: Fremdenhass hat nichts mit Hautfarbe oder ethnischer Zugehörigkeit zu tun, sondern nur mit oben und unten, mit arm und reich, mit höherwertig und minderwertig. Wo Fremdenfeindlichkeit herrscht, werden auch Frauen, Behinderte oder Homosexuelle ausgegrenzt. ( Lydia Kölbl-Zsivkovics, Quelle: http://www.denkmal-film.com/abstracts/BlueEyedInh.html)

Kommentare der SchülerInnen (anonymes Feedback, Bericht)

"Ich fand das Projekt echt super! Es ist mal etwas anderes in der Haut eines Diskriminierten zu stecken.- Es war etwas, was man mit in die Realität mitnehmen kann. Solche Projekte sollten öfter stattfinden."

"Ich fand das Projekt im allgemeinen super.Das war mal was anderes und hat Spass gemacht und war interessant, ich würde mich freuen, wenn wir sowas nochmal machen."

"In der Theatergruppe ging es darum, Situationen wiederzugeben, die mit Rassismus und Diskriminierung zu tun haben. Es wurden jeweils 3-4 Leute für einen Sketch eingeteilt. Durch musikalische "Untermalung" haben die einzelnen Spieler ihren Gedanken während der szenischen Darstellung freien Lauf lassen können. Geleitet wurde dieses Projekt von einem jungen Mann und einer jungen Frau, die uns immer wieder Ratschläge für die gespielten Situationen gaben. In diesem Projekt ist uns deutlich klar geworden, dass man tagtäglich mit Diskriminierung konfrontiert wird."
(Sarah, Eunike)

"Unsere Gruppe, die "Recherche-Gruppe", hat einen Film über Rassismus in den USA angeschaut. Es war ein Experiment, von einer Frau geleitet, die die "Blau-Äugigen" als Außenseiter darstellt. Am Anfang wurden die TeilnehmerInnen in einen Raum mit 3 Stühlen für 17 Leute geschickt. Die Frau stellte widersprüchliche Regeln auf und behandelte die Personen ungerecht. Sie hat sie erniedrigt, indem sie sie als "Püppchen" und "Boy" bezeichnet hat, keine Gruppendynamik zugelassen und keinen Humor geduldet hat. Außerdem befragte sie einige Schwarze, was für sie "Stress" wäre. Sie erzählten über ihr alltägliches Leben und wie sie von manchen Menschen auf grausamste Art und Weise behandelt werden. Nach dem Film haben wir darüber diskutiert, Schlagwörter zu "Rassismus" und "Diskriminierung" gesammelt und schließlich damit ein Plakat zusammengestellt. Anschließend haben wir Sketches gespielt zu Situationen im alltäglichen Leben, die nicht der Norm entsprechende Menschen jeden Tag durchmachen. Wir hatten an dem Projekt sehr viel Spass, aber es ist uns bewusst geworden , wie rassistisch die Leute heutzutage sind." (Mary, Michi)

Kommentare der Lehrerinnen

- „Theaterworkshop?“ –
- „Ja super!“
- „Zum Thema Antirassismus – Diskriminierung?“
- „Na, ja“.
Soweit Reaktionen der SchülerInnen, als ich ihnen das Projekt vorschlug. Also wurde das Thema weiter gefasst, Arbeitstitel „Kleider machen Leute.“ (s.o.)

Umso erstaunlicher für mich war, dass aus der anfänglich großen Palette von Möglichkeiten letztlich doch vier von sechs sehr gut gelungenen szenischen Darstellungen explizit das Thema Fremdenfeindlichkeit witzig und treffend zum Thema hatten.

Weiters erstaunlich, dass alle SchülerInnen, die nicht Theater spielen wollten und sich daher für die Recherchegruppe entschieden hatten von der Theorie über den Austausch eigener (oft schmerzvoller) Erfahrungen dann auch selbständig zur Erarbeitung eigener Sketches gekommen sind und diese auch präsentiert haben.

Faszinierend war, wie locker, kreativ, witzig Dialoge in Szene gesetzt wurden und mit welcher Selbstverständlichkeit und welchem darstellerischen Können – als hätte man nie was anderes gemacht – vor (kleinem) Publikum gespielt wurde.

Faszinierend auch, dass sich ausnahmslos alle SchülerInnen aktiv mit Ernst und sichtbarem Spass an der Sache beteiligt haben.

Fazit: Sowohl Theaterspielen als auch der Zugang zum Thema Ausgrenzung/Diskriminierung brauchen Zeit, einen geschützten Raum, Vertrauen und gute Betreuung. Dann kann das, was im Alltag oft weg geschoben wird – weil bedrohlich – zum Vorschein kommen und lustvoll bearbeitet werden. Das Projekt hat einmal mehr gezeigt, wie allgegenwärtig Diskriminierung und Ausgrenzung sind, dass sie jeder kennt und es nicht reicht selbstzufrieden zu sagen, wir sind eh so tolerant. (Anna-Karina Athanassoff)

anders?- normal? Die Norm. Was heißt das ? - wie fühlt es sich an "anders" zu sein? was spüre ich wenn ich zu den "Normalos" gehöre? was denke ich , wenn ich jemanden sehe, der/die "anders" ist? - Vorurteile? ICH doch nicht!!! - oder etwa doch auch? ... manchmal? (.. pst...) (Iris Kübler)










     
ANDERS?